Aus alt mach neu

Seit vorgestern läuft im Zoo in Dvur Králové das Afro-Festival. Letztes Jahr war es superschön und ich liebe afrikanische Musik, also nichts wie hin.

In der untersten Schublade meiner Kommode lag ein afrikanisches Hemd, es kommt aus Senegal und ich habe es seit etwa 18 Jahren. Es hatte mir damals Ben mitgebracht, mein Trommellehrer, der ebenfalls aus dem Senegal kommt. Ich hab nämlich mal afrikanisch getrommelt, etwa 10 Jahre lang. Und damit wir bei den Auftritten alle schön bunt sind, hatten wir diese Hemden. Aber so schön ich das Muster auch immer fand, ich fand den Schnitt furchtbar unförmig und auch unvorteilhaft. Aber damals konnte ich noch nicht nähen bzw. hatte keine Ahnung, dass man so leicht etwas ändern kann.
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Ich hab dann noch ein älteres T-Shirt gefunden, in schwarz, ärmellos und an den Armausschnitten etwas zu eng und in der Länge zu kurz, weil es mal versehentlich im Trockner gelandet war. Es war perfekt, um es als Oberteil für eine Tunika zu verwenden.

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Schnipp-Schnapp, schnell ein paar Schnitte mit dem Rollschneider und der Schere. Leider war am Afrohemd nicht genug Stoff für das weit schwingende Unterteil. Ich hatte aber gottseidank noch schwarzen, gewebten Stoff („Ditte“ von Ikea, für 3,99 Euro pro Meter) im Regal liegen. Das hab ich einfach links und rechts drangenäht und am Rückenteil noch einen schmalen Streifen in der Mitte.
Und eigentlich war das eine super Idee, denn es macht optisch eine verdammt schlanke Figur. 😉

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Gestern hab ich dann meine Afro-Tunika ausgeführt und viel Lob dafür erhalten, u.a. von Maudy, der Steinbildhauerin aus Zimbabwe.

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Ich finde, es macht wahnsinnig Spaß, ältere Kleidung zu ändern und diesen seit vielen Jahren ungetragenen Sachen neues Leben einzuhauchen.
Übrigens hab ich noch einen kompletten Dress hier liegen, Hose und Hemd, genauso unvorteilhaft geschnitten, nur in blau und mit bunten, traditionellen Bildern von Lehmhütten, Palmen, Fischerbooten usw. bedruckt. Das werde ich die Tage auch noch ändern. Ich muss nur noch ein passendes T-Shirt für das Oberteil finden.

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Frühjahrskollektion – Teil 2

Nachdem ich neulich ein paar Zeilen über das zeitraubende Abpausen von Schnitten geschrieben habe, schreibe ich heute über das Nähen von Kleidung. Ich hab mir vor ein paar Monaten einen Schnitt für eine Tunika gekauft, das Modell Svea von Farbenmix. Und passend dazu zwei Stoffe. Das Vorder- und Rückenteil der Tunika besteht aus jeweils drei Teilen und ich dachte mir, an den Seiten links und rechts einen dunklen, unifarbenen Stoff und in der Mitte einen bunt gemusterten, das könnte hübsch aussehen.

Als gemusterten Stoff habe ich diesen Jersey gewählt:

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und dazu einen braunen Jersey.

Ich habe die Schnitte also auf den Stoff übertragen, alles schön ausgeschnitten und mich mit der Overlock und meiner Veronica ans Nähen gemacht. Erst die Seitenteile ans mittige Vorder- sowie Rückenteil, dann die oberen Schulternähte geschlossen, anschließend die Belege an einer Kante versäubert, an den Halsausschnitt genäht.

Im nächsten Schritt kamen die Ärmel ins Spiel: ich hatte zuvor schon den Ärmelvolant gesäumt und an jeweils einen Ärmel genäht und wollte sie nun feststecken. Der erste Ärmel, der rechte, passte auch wunderbar mit den Knipsen übereinander.
Aber den linken Ärmel bekam ich nicht in die richtige Position, egal, wie ich es wendete… doch halt, wenn ich ihn auf links drehte… ihr ahnt es schon: ich hab einen Ärmel nicht seitenverkehrt zugeschnitten!

Natürlich hatte ich von dem braunen Jersey nicht mehr genug, meine Tunika musste warten. Am übernächsten Tag, ein Montag, fuhr ich mit dem Ärmel in den Stoffladen, wo ich die beiden Stoffe gakauft hatte. Ich hatte zu etwa 98,5% Glück, ich fand einen braunen Jersey, der zwar nicht 100% deckungsgleich war aber die Mitarbeiterin versicherte mir, dass es niemand bemerken wird. Und sie versicherte mir noch etwas: egal, wie erfahren man ist: es passiert, dass man etwas nicht seitenverkehrt ausschneidet. 🙂

Zuhause setzte ich mich an die beiden Ärmel und trennte den Volant vom Ärmel. Das erste Mal übrigens, dass ich eine Overlock-Naht wieder auftrennte aber das ging leichter als ich dachte.
Anschließend schnitt ich zwei Ärmel aus dem neuen Stoff zu, achtete diesmal darauf, dass einer davon seitenverkehrt liegt, nähte die Volants wieder an und steckte sie an den Armausschnitten fest. Das Nähen ging dann wieder recht zügig, ebenso das Schließen der Ärmel- und Seitennähte.

Zum Schluss habe ich die untere Schnittkante noch mit der Overlock gesäubert und anschließend zum ersten Mal mit der Zwillingsnadel gesäumt. Ich hätte nicht gedacht, dass es so leicht ist.

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Und hier ist die fertige Tunika:

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Wenn ich ehrlich bin, ist sie zu groß, vor allem oben am Ausschnitt und den Schultern. Die nächste werde ich eine Nummer kleiner machen. Und irgendwie gefällt mir die Dreiteilung des Vorder- und Rückenteils nicht. Die nächste werde ich aus nur einem Stoff machen. Aber sonst bin ich mega-zufrieden mit meiner ersten Tunika.